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Referate, Referate

Heute ist der zweite Referate-Tag in der 12b.

Die 12b hatte insgesamt 10 Stunden zur Vorbereitung. Ich teilte im Vorfeld einen Merkzettel aus, auf dem die nachfolgenden Informationen standen. Natürlich ging ich mit der Klasse diesen Merkzettel auch noch durch.

  • Dauer der Präsentationen: max. 20 Minuten.

  • Jedes Gruppenmitglied muss einen Sprechanteil haben.

  • Ich reserviere für jeden Präsentationstag: Beamer, Laptop.

  • Jede Gruppe erstellt ein Handout zu ihrem Vortrag (siehe Vorlage, inkl. drei Quellenangaben), das der gesamten Klasse während der Präsentation zur Verfügung steht. –> Es wird nicht nachgereicht!

  • Wenn ich das Handout kopieren soll: Mailen Sie mir das Handout oder legen Sie mir das Handout einen Tag vor Ihrem Vortrag ins Fach!

Zusätzlich gab es einen schriftlichen Terminplan, an welchem Tag welche Gruppen präsentieren sollte (wurde auf Wunsch der Klasse ausgelost).

Erster Tag

Ich bin gespannt, denn mit der Klasse habe ich noch keine Präsentationen gemacht. Heute sind drei Gruppen dran. Von keiner habe ich bis zum Ende der Pause ein Handout erhalten.

Ich schnappe mir das technische Equipment und mache mich auf den Weg in die Klasse. Auf dem Weg dorthin treffe ich Damian. “Ey, Frl. Rot, bin ich der Einzige aus meiner Gruppe. Kann ich nicht präsentieren.” “Ja, wo sind denn die anderen?” “Nicht da.” “Waren die denn gerade noch da?” “Mmmh, dazu sag ich mal nichts, will denen ja nicht schlecht machen.”

Leicht vorbeschleunigt betrete ich das Klassenzimmer. Neben Damians Gruppe ist auch die zweite Gruppe nicht anwesend. Zwei Mädels, die normalerweise zuverlässig sind. Ich schaue mich weiter um, wo ist die dritte Gruppe? Ah, dort. Die Chaos-Jungs sind anwesend. “Hähä, das hätten Sie jetzt nicht gedacht?” “Ach, Fynn-Luca, ich habe schon so viel erlebt, mich kann so schnell nichts mehr überraschen.”

Florence und Bianca können nicht an sich halten: “Frl. Rot, die Tina und die Nesrin sind gerade gegangen! Aber die müssen doch halten!” “Ich schwör, voll unfair, wenn die keine sechs kriegen, vallah”, ergänzt Tugba. Mick widerspricht: “Aber wenn die ein Attest haben, dürfen sie doch, oder?” “Ja, dürfen sie dann,”, bejahe ich. “Trotzdem finde ich das nicht gut, wenn die einfach so gegangen sind, obwohl sie die vier Stunden vorher da waren.” Es entbrennt eine lautstarke Diskussion darüber, was denn nun fair oder unfair sei. Die Mehrheit der Klasse findet so ein Verhalten “scheiße”, “unkollegial” und will das “ungenügend” als Bewertung sehen. Ich unterbreche: “Warten wir doch erst einmal ab.”

“Fynn-Luca, ist Ihre Gruppe startklar? Wo ist denn Ihr Handout?”

“Haben wir doch geschickt. Über Facebook.” “Habe ich nicht bekommen.”

“Doch, echt!” Ich zücke mein Handy, rufe Facebook und die Nachrichten auf. Keine Nachricht. “Oh”, die Jungs scheinen entsetzt. “Darf ich mein Handy rausholen, Frl. Rot? Dann zeige ich Ihnen die Nachricht.” “Ja, ist in Ordnung.” Fynn-Luca ruft seinen Facebook-Account auf. Und wirklich, da ist eine Nachricht an mich gespeichert. Drei Tage zuvor! “Könnten Sie mir das eben mailen? Dann drucke ich das schnell aus und Sie können schon einmal die Technik vorbereiten.”

Im Lehrerzimmer stellt sich dann heraus, dass der PC weder .docx noch .odt öffnen kann. Also maile ich mir das Dokument an eine andere Adresse und öffne es mit dem GoogleViewer. Schnell kopieren, schnell zurück zur Klasse.

Die Jungs halten ihren Vortrag. Gar nicht so übel, übrigens.

Zweiter Tag

Heute sind alle Gruppen anwesend. Nur Ben-Noah käme später, der sei noch kopieren. Dabei ist seine Gruppe die erste auf der Liste. “Können wir dann erst später?”, fragt Vincent. “Fragen Sie die Klasse. Wenn die einstimmig dafür ist, bin ich es auch.”

Die erste Mädchengruppe hat kein Handout. “Mädels, die Absprache war anders.” “Aber”, Tugba regt sich auf, “bei den Jungs haben Sie gestern auch kopiert. In der Stunde. Voll gemein, ich schwör!” “Ja, und warum?” “Weil die E-Mail nicht angekommen ist.” “Tugba, haben Sie mir auch eine E-Mail geschickt?” “Nee, wir dachten, Sie kopieren vorher.” “Und warum haben Sie mir dann das Handout nicht in der Pause gegeben?” “Abo, Frl. Rot, da hatten wir keine Zeit!” Na klar, rauchen und Facebook und nachschminken dauert eben seine Zeit. “Tugba, was steht auf dem roten Zeittel?” “Tugba ist eingeschnappt. Bianca versucht es anders: “Aber, wir können doch nachreichen, dann gilt das noch, nee?” “Klar können Sie nachreichen.” Beide strahlen mich an. “Aber dann gibt es dafür einen Abzug um eine Note, wie besprochen. “Frl. Rot, voll fies!” Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie einige Mitschüler grinsen.

Dann stellt die erste Gruppe vor. Schöne Präsentation, gute Reaktionen auf Nachfragen. Auch ein Handout ist vorhanden.

Damians Gruppe hat als einzige Gruppe keine PowerPoint-Präsentation gemacht, dafür aber ein Plakat, das schon aus der ersten Reihe nicht mehr lesbar ist. Sie verwechseln Fakten, liegen fachlich häufig daneben und ich komme nicht umhin, mir zu wünschen, dass die Zeit endlich vorbei ist. Diese Quälerei, für alle Seiten! Dann aber wird das Ganze aufgelockert: Damians Handy klingelt. Damian meint gelassen: “Das habe ich jetzt nicht gehört!” Fünf Minuten später klingelt es erneut. “Ey, Fynn-Luca, ruf mich nicht ständig an, Du Wichser!”, meckert Damian rum.

Dann kommen die beiden Mädels von gestern. “Frl. Rot, wir haben Attest. Sie müssen uns lassen!” Das geht mir ja sowas von auf die Nerven. Die Präsentation ist inhaltlich mittelmäßig. Die Aufmachung ist aber grandios: Beide verwechseln den Klassenraum mit dem Life-Walk von Germanys Next Topmpodel. Sie drehen und wenden sich, stemmen die Hände in die Hüften, werfen Kussmünder und schütteln ihr Haar, das es eine Freude ist. Ich vermute, dass der gestrige Auftritt wegen falscher Klamottenwahl oder nicht passender Accessoires abgesagt werden musste.

Am Ende der Stunde stehen zwei weitere Gruppen vor mir: Sie hätten den USB-Stick vergessen. Der Hund habe das Handout gefressen. Der Vater habe die Datei gelöscht. Die kleine Schwester hat den falschen Ordner mit in die Schule genommen. Ob sie denn nicht erst nächste Woche…?

Ehrlich, normaler Unterricht ist stressfreier.

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