Tag Archive | Lehrersprüche

Herr Bühle und der Zettel

“Nein, ich mach’ das nicht!”, sagt Herr Bühle schnaubend. “Nein, nein, nein!”

Wir sitzen seit einer gefühlten Ewigkeit wegen der 13a in einer Teambesprechung. Es wird draußen bereits dunkel. Wir sind alle seit der ersten Stunde in der Schule, sind müde, haben Hunger und möchten einfach nur noch nach Hause.

Herr Bühle hat um die Teambesprechung gebeten. Die Klasse sei respektlos, unhöflich, renitent, sie würden lästern und ihn abschätzig behandeln. Wir alle erleben die Klasse anders, aber nun gut.

“Aber, Herr Bühle”, meint Max Meinrich, seines Zeichens Klassenlehrer der 13a, “so geht das aber auch nicht.”

Herr Bühle schaut wütend in die Runde. “NEIN! ICH mache das nicht. Du kannst mich nicht zwingen.” Max schaut mich hilfesuchend an. “Versuch’ Du das doch noch mal, ja?”, flüstert er mir zu.

Ich verdrehe innerlich die Augen. Warum das denn? Ich kann Herrn Bühle nicht leiden. Das ist so ein ***. Soll er doch selber zusehen, wie er das gelöst kriegt.

Ich lasse mir einen Moment Zeit. Max schaut mich immer verzweifelter an und legt mir bittend die Hand auf den Arm. Ich schließe kurz die Augen und hole dann tief Luft.

“Herr Bühle, sieh’ mal: DU möchtest, dass sich Konstantin und Martin in allen Fächern auseinandersetzen. DU möchtest, dass Konstantin ein Gespräch mit der Schulleitung führen muss. DU möchtest, dass beide einen Verweis bekommen. Und – ”

“Das ist auch das mindeste bei dem asozialen Verhalten, was die beiden drauf haben. Asozial! Alle beide!”, unterbricht mich Herr Bühle wutschnaubend. Nicht mehr lange, und ihm werden glimmende Fünkchen aus der Nase fliegen.

Ich zähle innerlich bis zwanzig. “Und dann wäre es doch besser, wenn DU das den beiden auch erklärst. Schließlich geht diese Maßnahme von DIR aus.”

“ICH MUSS GAR NICHTS! Ich spreche mit den beiden nicht mehr.”

“Aber demnächst stehen doch die SoMi-Noten-Gespräche an. Spätestens dann musst Du.”, wirft Max ein.

Herr Bühle richtet sich auf und meint: “Da habe ich mir schon was überlegt: Ich schreibe die Note auf einen Zettel, gebe den beiden dann den Zettel und bin dann schon weg, bevor sie Fragen haben. Clever, nicht?”

Was? Ich kann kaum glauben, was ich da höre. Wie immer frage ich mich, wie Herr Bühle durchs Zweite Staatsexamen gekommen ist. Es kann doch nicht sein, dass das niemandem aufgefallen ist?

“Lieber Herr Bühle”, ich unterdrücke ein Lachen, das zwischen Erheiterung und Wut pendelt, “die haben den Zettel schneller gelesen als Du aus dem Raum bist.”

“Hmm, da hast Du recht. Da muss ich mir etwas anderes überlegen.” Herr Bühle wird nachdenklich. Oh gut, vielleicht schaffen wir es, nun den Rest zu klären.

“Heureka! Ich hab’s!”

Herr Bühle springt auf.

“Ich zerknülle den Zettel so klein, dass sie ewig brauchen, um den wieder zu entfalten. Bis dahin bin ich längst im Lehrerzimmer!”

Können Sie mal…?

Bin ich eigentliche die Einzige, die sich momentan in einer (gefühlten) Endlosschleife namens “Klausuren” befindet? Kaum hat man einen Packen weg, hüpft schon der nächste Klassensatz auf den Schreibtisch.

Neben schrecklichen kreativen Interpretationen und einfallsreichen Rechtschreibvariationen finde ich es auch immer wieder interessant, meine Schüler beim Schreib- und Denkprozess zu beobachten.

Von Mathis hatte ich ja schon berichtet (klick), aber auch der Rest der Truppe ist unterhaltsam.

Luca reagiert schon panisch, als ich den Klassenraum betrete: “Oh man, die Zeit, die Zeit!” Kaum hat er die Klausur vor sich liegen, fragt er: “Wie viel Zeit, wie viel Zeit?” Er  wird nach 30 Minuten abgeben.

Frida und Ali sitzen nebeneinander (zum Glück nicht ineinander verschlungen, wie sonst) und teilen sich eine Jumbo-Familien-Packung Studentenfutter. Sie schüttet den Inhalt der Tüte auf den Tisch, sucht sich aus dem Studentenfutter alles raus, was sie nicht mag und schiebt es Ali hin. Er pickt sich dann ebenfalls seine Lieblingsstücke heraus und fummelt den Rest wieder in die Tüte. Dann ist wieder Frida dran. Wegen der Jumbo-Größe der Tüte lassen sich damit zwei von vier Klausurstunden prima umkriegen.

Anastasia hat vier Pappbecher voller Kaffee vor sich stehen, dazu sechs Packungen Taschentücher, drei Tipp-Ex-Mäuse, fünf Tupperdosen und zwei Stofftiere. Als ich die Klausur verteile, mault sie: “Oh, ein DIN A3 Bogen? Der ist doch viel zu groß für den Tisch!”

Kevin schält beim Lesen des Textes eine Banane und wird diese dann, ohne Hineinzubeißen, die nächsten drei Stunden festhalten.

Das ein oder andere Mädchen kann wegen der langen Fingernägel den Stift nicht halten, das Umblättern gestaltet sich auch schwierig.

Bevor Jocelyn mit der Arbeit beginnt, werden erst einmal zwei weitere Stühle an den Tisch gezogen. Dann braucht sie 15 Minuten, um damit und dem Stuhl, auf dem sie sitzt, die perfekte Liegeposition zu finden. Schließlich wird noch der Pony mit einem Stift hochgezwirbelt und es geht los.

Emil hat eine Flasche Wein auf dem Tisch stehen. “Geht klar, oder?”, fragt er mich. Das Entsetzen ist groß, als ich auf die Schulordnung hinweise (kein Alkohol auf dem Schulgelände). Er schaut mich bittend an: “Ich habe aber nichts anderes dabei. Und vier Stunden ohne Getränk….” Ich opfere eine meiner Wasserflaschen und kassiere die Weinflasche ein.

Tim scheint vieles vergessen zu haben: “Kann ich die Quelle in Anführungszeichen setzen? Ich habe nur 5,5 cm Rand, nicht 6. Ist das schlimm? Mein Füller ist leer, kann ich mit Kuli weiterschreiben? Frl. Rot, sehen Sie, ich habe hier [zeigt auf eine Ergänzung] ein Sternchen gemacht und ich meine damit, …! Muss ich einen Einleitungssatz? Ja? Oh! Welches Datum haben wir heute? Darf ich auch auf der Rückseite…? Mein Ersatzkuli hat eine andere Farbe, ist das schlimm? Wie heißt das Wort noch mal? Frl. Rot, können Sie mal…?”

Na, aber sicher doch. Ich schnappe mir ein bisschen Studentenfutter und frage Tim: “Kann ich dann sofort korrigieren? Auch auf der Rückseite? In rot? Was, wenn ich die Sternchen nicht finde? Die Schrift nicht lesen kann? Oh, und wenn mir das Korrekturzeichen nicht einfällt, was dann? Können Sie dann…nein? Warum nicht?  Wenn die Tinte leer ist, kann ich dann mit Kuli? Ja? Krass. Ach, und Tim…”

10 Dinge, die ich hasse – Schule

Beim Surfen bin ich auf Youtube auf ein Video von Juri gestoßen. Juri listet darin 10 Momente auf, die er an der Schule gehasst hat.

Nummer 3 ist sensationell und treibt mir immer noch Tränen in die Augen. (Andere dafür nicht, das mit der Waffe finde ich gar nicht lustig.)

Erschreckend dazu: Offensichtlich haben wir alle eine gemeinsame Lehrersprache, denn was Juri da in seiner Rolle als Lehrer von sich gibt, kannte ich schon von meinen Lehrern. Von meinen Ausbildungslehrern auch. Und von mir. Hausaufgabe für die Ferien: Neue Vokabeln lernen. Und heimlich üben, damit mir Nr. 3 nicht passiert.

Übrigens: Meine 10 Dinge, die ich an der Schule hasse:

  1. Korrekturen
  2. Korrekturen
  3. Korrekturen
  4. Konferenzen
  5. Korrekturen
  6. Korrekturen
  7. Korrekturen
  8. Korrekturen
  9. Protokoll schreiben
  10. Referate

Ach, Du bist das!

“Thomas, warte bitte mal!” Ich hetze hinter Thomas her.

“Mmh? Ich habe nicht so viel Zeit, ich muss noch eine rauchen, bevor ich in die schreckliche 7 muss.”

“Thomas, ich hatte Dir letzte Woche eine E-Mail geschrieben. Hast Du die bekommen?”

“Huh?”

“Na, die E-Mail wegen der Abschlussfeier. Wegen der Planung. Wer die Blümchen kauft, wer die Getränke und welche Musik wir spielen sollen.”

“Ach, Du warst das. Ich konnte irgendwie mit dem Namen nichts anfangen.”

“Ja, ich war das. Und?” Will der mich veräppeln? Da kann man dann nicht antworten?

“Ja, können wir machen. Aber ich habe da nicht viel mit zu tun, da musst Du die anderen fragen, die auch FOR-Klassen haben.” Er steckt sich eine Zigarette an.

“FOR? Nee, ich habe Dir eine E-Mail wegen der FHR geschrieben.”

“Ach, dann warst Du das doch nicht?”

“Offensichtlich nicht.”

“Aber was warst Du dann?”, fragt er und pustet mir den Zigarettenrauch ins Gesicht.

“Jetzt gerade? Sauerstofflos”, huste ich.

Er schaut mich intensiv an.

“Ach, Du bist das!”


Edit:

FOR = Fachoberschulreife (Realschulabschluss)
FHR = Fachhochschulreife (Fachabitur)

Schüler stören nur

Von meiner Freundin Viola Suhr habe ich hier ja schon berichtet: klick

Viola ist ein ganz besonderes Exemplar Lehrer, das durfte ich in dieser Woche wieder erleben. Telefonieren können wir nicht, denn das ist ihr zu anstrengend. Unsere Konversation läuft z.Zt. nur über Facebook. Ich finde das etwas anstrengend, aber gute Freunde haben ja auch das Recht, eine Zeit lang anstrengend zu sein.

Wir chatten also mal wieder. Immer, wenn ich ihre Ansichten nicht gut finde oder teile, schiebt sie einen Grund vor, um den Chat zu beenden.

Viola: “hi, ich bin kaputt. ich bin so froh, wenn diese blöden 13er endlich weg sind.”

Frl. Rot: “Auch hallo! Welche meinst Du? Meine alte Klasse?”

Viola: “ja, die sind echt total scheiße.”

Frl. Rot: “Wieso, was haben sie denn gemacht?” Komisch, ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass die so “scheiße” waren. Ich erinnere mich an eine lebhafte, aber interessierte und motivierte Klasse.

Viola: “die sind einfach da. das reicht schon.”

Frl. Rot: “Aber die müssen doch etwas gemacht haben.”

Viola: “die wollen, das ich material kopiere, für die abivorbereitung. dabei haben die doch schon alles aus den letzten jahren.”

Frl. Rot: “Mmh, das finde ich jetzt nicht so schlimm.”

Viola: “ey, ganz ehrlich. die können doch im internet recherchieren. tun die doch sonst auch immer.”

Frl. Rot: “Aber was ist denn so schlimm daran, wenn Du ein paar Übersichten kopierst?”

Viola: “das ist doch verschwendet. perlen vor die säue”.

Frl. Rot: “Viola, denk mal daran, was passiert, wenn einer von denen Einspruch einlegt, weil sie sich nicht richtig vorbereitet fühlt.”

Viola: “schule könnte echt schön sein. nur die schüler stören.”

Frl. Rot: “Viola!”

Viola: “hörmal, es ist dinnertime. Bis später oder so.”

(…)

Viola: “und, was machste noch so?”

Frl. Rot: “Ich sitze gerade an den Präsentationsplänen der 12er. Da fängt jetzt die Referatsreihe an.”

Viola: “boah, referate. grausig. da kann man schon zu anfang des schuljahres die noten eintragen. dann erspart man sich doch total viel stress.”

Frl. Rot: “Wie meinst Du das?”

Viola: “ganz einfach. noten gibts eh nur von 1,2,3. das geht dann nach optik.”

Frl. Rot: “Du machst Witze. Bitte sag mir, dass Du Witze machst.”

Viola: “ich will keine Selektion betreiben. außerdem: alle sind zufrieden, ich habe keinen stress und die eltern tanzen dann auch nicht bei mir an.”

Frl. Rot: “Dann kuschelst Du aber alle!”

Viola: “und? ich habs dadurch leichter. da fragt hinterher kein mensch mehr nach.”

Frl. Rot: “Aber das ist nicht unsere Aufgabe. Klar stresst die Schule, aber deswegen kann ich doch nicht alle Grundsätze über Bord werfen.”

Viola: “ja, in der theorie. aber so im Alltag, ist das doch unwichtig. außerdem machen das andere doch auch so.”

Frl. Rot: “Entschuldige, aber das kann ich echt nicht glauben. Die Noten haben auch einen Sinn, weißt Du noch? Qualifikations-, Selektions-, Sozialisations- und Legitimationsfunktion!?”

Es entsteht eine Pause, Viola wird noch als online angezeigt, sie antwortet aber nicht.

Kurz darauf erhalte ich eine SMS: “Hi, facebook kann bei mir nicht angezeigt werden. melde mich ein anderes mal wieder.”

Schule kann so schön sein. Wären da nicht die Lehrer wie Viola Suhr.

Alcopops und Handlungsorientierung

Ich war heute bei einem Unterrichtsbesuch dabei. Nicht an meiner eigenen Schule, sondern bei einem Mitreferendar meiner Referendarin. Unser hiesiges Ausbildungsseminar findet, das sei eine gute Idee. Überprüfbarkeit der Ausbildung, Teamverständnis der Ausbildungslehrer usw. Vor allem aber soll die Unterrichtspraktische Prüfung simuliert werden. Ich darf die Prüfungsvorsitzende spielen.

Der Referendar ist sichtlich nervös. Kein Wunder, denn hinten in der Klasse sitzen sage und schreibe acht Personen: Die zwei Fachleiter, der Hauptseminarleiter, der Schulleiter, der Ausbildungskoordinator, die Ausbildungslehrerin, meine Referendarin und ich. (So ein Quatsch, übrigens!)

Die Ausarbeitung sieht vielversprechend aus, das Thema auch: Alkoholismus und Koma-Saufen bei Jugendlichen.

Zur Veranschaulichung hat der Referendar Alcopops-Flaschen mitgebracht. Leere Flaschen natürlich. Die Stunde läuft, die Flaschen gehen herum, die Inhaltsstoffe werden analysiert und mit der Werbung verglichen. Zusätzlich wird der Umgang von Jugendlichen mit Alkohol thematisiert. Ergebnis der Stunde ist, dass die Industrie in Bezug auf die Alcopops bewusst Jugendliche anspricht und die Inhaltsstoffe, besonders den Alkoholgehalt, verschleiert.

Trotz kleinerer Fehler gefällt mir die Stunde. Die Schüler werden aktiviert, sie haben eine Anknüpfung an ihre Lebenswelt, jeder steuert etwas zu dem Unterricht bei. Die ausgelobten Stundenziele werden erreicht. Der Referendar scheint erleichtert zu sein.

Bis zur Nachbesprechung…

Ich frage: “Was hätten Sie denn getan, wenn die Schüler Sie gefragt hätten, wie Sie die Flaschen leer bekommen haben?” Er schmunzelt: “Dann hätte ich entweder die Wahrheit gesagt – ich hatte mit Freunden einen lustigen Abend. Oder ich hätte gelogen und gesagt, ich hätte die Flaschen in den Abfluss geleert. Ich glaube, das hätte ich von der Situation abhängig gemacht.” So eine Antwort hatte ich erwartet.

Der eine Fachleiter zählt die positiven Aspekte der Stunde auf, der andere Fachleiter ergänzt. Auch der Ausbildungskoordinator scheint zufrieden. Der Hauptseminarleiter sagt wenig, das sei schließlich nicht sein Fach, da könne er nicht viel zu sagen.

Die Runde schaut die Schulleiter erwartungsvoll an. “Nun, Herr Referendar. Die Ansätze waren gut. Aber die Ausführung!” Der Referendar schluckt. Ich bin gespannt, was noch kommen mag.

“Sie haben in Ihrem Entwurf ja ausdrücklich von Handlungsorientierung gesprochen. Das konnte ich aber nun gar nicht erkennen.”

Die Ausbildungslehrerin wagt einen kleinen Einwand, wird aber sofort unterbrochen: “Richtig handlungsorientiert wäre es erst dann, wenn die Schüler die Alcopops auch probiert hätten.”

Es wird totenstill. Ich überlege kurz, ob ich laut lachen soll. Das ist bestimmt ein (schlechter) Witz!Ich entscheide mich dagegen, wende aber ein: “Herr Schulleiter, das würde dem Jugendschutzgesetz widersprechen. Alkohol ist erst ab 18 Jahren erlaubt. Zusätzlich vermute ich, dass auch in Ihrer Schul-/Hausordnung der Alkoholkonsum verboten ist. Außerdem sind die Schüler alle erst um die 16 Jahre alt!”

Der Referendar nickt mir dankbar zu.

Der Schulleiter giftet mich an: “Also Frl. Rot, ich bin hier der Schulleiter. Also bin ich auch der Hausherr. Ich kann entscheiden, ob meine Schüler im Unterricht Alkohol trinken dürfen oder nicht!”

Ach so.

Wenn ich also demnächst im Unterricht über die Todesstrafe,  über Kindeswohlgefährdung oder die Wirkung von Drogen spreche, kann ich das im Vorfeld (mit den Schülern) praktisch erproben?

Sind doch bald Ferien!

Es ist schon irgendwie merkwürdig. Kaum rücken die Ferien in greifbare Nähe, flippen alle aus. Kollegen, Eltern, Schüler, Schulleitung.

Die Schulleitung schickt im Stundentakt E-Mails raus. Inhalt: Vieles, was bis gestern, ach was, bis vorgestern erledigt werden musste: Änderung des Schulprogramms, Evaluation der Schülerbefragung,  Evaluation der Krisenübung (wir haben einen Amoklauf geübt), Aufräumen, Umräumen, Planung des pädagogischen Tages, Tagesordnung der nächsten Lehrerkonferenz, Sitzungen der verschiedenen Schulgremien.

Jede E-Mail wird unterzeichnet mit “schöne Ferien trotz Korrekturen”. Der hat gut reden, denn er hat ja wegen absoluter Freistellung keinen Unterricht. Also auch keine Korrekturen.

Kommt man in den Unterricht, sieht man folgendes Bild: Die eine Hälfte der Klasse ist kleidungstechnisch noch im Winter. Schals, Mützen, dicke Jacken. Diese Kleidungsstücke werden im Unterricht auch nicht ausgezogen. Die andere Hälfte dagegen ist schon im Hochsommer angekommen. Die Jungs tragen diese knapp unter den Knien abgeschnittenen Schlabberhosen, Muskel-Shirts und riesige Pilotenbrillen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir in den 90ern froh waren, als die Dinger endlich out waren. Der Look wird komplettiert mit neonfarbenen, fluoriszierenden Tunneln im Ohr (“Schauen Sie mal, die leuchten auch im Dunkeln!), strubbeligen Haaren und irgendetwas, was aussehen soll wie ein Drei-Tage-Bart. Die Mädchen tragen minimalste Kleidung. Röcke, die man als Gürtel bezeichnen würde, bauch- und schulterfreie Tops. Dazu dunkelbraune Haut (Sonnenbank!) und mörderisch hohe Schuhe. Gaben die Mädchen im Winter mal eine Runde Handcreme aus und die Jungen Labello, sind es bei den Mädchen nun Bronzer, Lipgloss und Haarspray, bei den Jungs Tunnel und Deo.

Allen gemeinsam ist die Frage: “Und, gucken wir einen Film? Sind doch bald Ferien!” “Film! Film!” Film!” (Auch schon Wochen vorher.)

Von den Eltern hört man auf einmal auch etwas. Stellen sie sich sonst tot, vergessen Termine, sind nicht erreichbar oder haben unglaublich viel zu tun, so sind sie jetzt besonders engagiert: Befreiungsanträge vom Unterricht flattern ins Haus. Die Flüge seien einen Tag vor Ferienbeginn viel billiger, die Mitfahrgelegenheiten günstiger oder All-Inclusive sei nur so machbar. Wir hätten doch sicher Verständnis, schließlich könnten wir dann doch auch einen Tag eher… ?!

Im Lehrerzimmer üben die Kollegen hingegen für eine Aufführung des Stückes “Die Korrekturen”. Mehrstimmig und in Moll wird das Klagelied geprobt: Bis spät in die Nacht! Fünf Klassensätze! Acht Klassensätze! Alles Oberstufe! Alles Mittelstufe, dafür aber mit ganz schlimmer Orthografie! Korrekturen im Urlaub! Urlaub- hast Du es gut!  Urlaub? – Ist nicht drin, die Korrekturen! Ostern, versaut!

Herr Bühle ist da ganz vorne mit dabei.

Viola Suhr klagt am Telefon, wie schrecklich es doch sei, dass sie sich kurz vor den Ferien was getan habe. Gestolpert, über die hohen Korrekturstapel auf dem Boden des Arbeitszimmers. Und so ein Pech, nur der linke Arm sei ein bisschen verstaucht. Nicht die Korrekturhand! Aber nicht mit ihr! Sie sei sofort zum Arzt gegangen und habe sich bis zu den Ferien krankschreiben lassen. Sollen ihre Korrekturen doch die Kollegen übernehmen. Sie brauche erst einmal Erholung. Der Schreck!

Wie gesagt, bald sind Ferien.

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